Das Augenblickliche ist nicht immer nur Badewasser
- Artemis_Sia

- Feb 1, 2014
- 2 min read
Updated: Dec 16, 2025
Sondern manchmal ein tosendes Meer, oder schlimmer noch, nur ne kleine Kackpfütze. Ich meine, wenn das Leben mich schon umfließt, so soll es dies doch bitte mitreißend genug gestalten. So, dass große Verantwortung ganz urplötzlich entsteht, wie in Abenteuern. Oder wenigstens soll es die Badewanne füllen, damit ich mich darin ausruhen kann. Aber was bitte soll ich denn mit diesen ewig kleinen Begebenheiten, so wie Auto fahren oder Rechnungen zahlen? Lebensereignisse, die nur kleine, meist auch noch schlammige Pfützen bilden. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Aber … Aber. Ein weiser Mann hat mir mal gesagt, auch (oder gerade) die kleinen Pflichten das Alltags sollte ich mit einer meditativen Haltung und der Zuwendung, wie ich sie einem Kleinkind zukommen lassen würde, verrichten. Nun hilft es nicht gerade, dass ich mein ganzes Leben bislang so klug auf das Vermeiden und extremstmögliche Verschieben jegmöglicher Pflichten ausgerichtet habe. So fehlt mir dann die notwendige Übung, um auch größere Projekte mit der nötigen Ausdauer und Zuwendung anzugehen. Ich bewundere seit jeher Menschen, die ein ganz pflichtbewusstes Leben führen können. Aber ich fühle mich auch meistens ein wenig unwohl in ihrer Nähe, weil mich schnell mein schlechtes Gewissen plagt. Wohlwissend, dass wenn die Welt nur aus so Träumern wie mir bestehen würde, das gesamte gesellschaftliche Gefüge wohl schnell auseinander fallen würde. Ich identifiziere mich dann immer schnell mit den ganz großen Geistern, Helden, mythischen Figuren und Göttern. die sich ja alle nicht mit den Niederungen des Alltags auseinander setzen müssen. Betrachte ich dann aber wieder, was ich bislang Großes geschaffen habe, (nämlich nicht wirklich viel), schäme ich mich umso mehr. Weil nur das Träumen von großen Ideen, hat bislang wenig Erfolg gebracht. Wenn ich mich aber mit diesem Pfützen-Quatsch auseinander setzen soll, habe ich immer irgendwie Angst, darüber meine großen Ideale zu verlieren. Was wahrscheinlich Quatsch ist. Und natürlich haben sich gewisse Verhaltensmuster wie das erwähnte unbedingte Vermeiden von solchen Tätigkeiten ja auch mittlerweile ziemlich tief eingebrannt in mein Leben, so dass ein Loskommen davon mit jeder verschwendeten Minute schwieriger wird. Aber noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben. Mittlerweile habe ich nämlich die Illusion (fast) losgelassen, dass man es auf einmal “geschafft” hat. Kleine Pfützen können auch manchmal befriedigend sein. So zum Beispiel das Schreiben dieses Textes. Es ist kein Weltroman, kein Essay der zum Literaturnobelpreis führt und neue, bahnbrechende Erkenntnisse zur Philosophie erhält er auch nicht. Wahrscheinlich werden ihn nur eine Handvoll Menschen lesen. Trotzdem ist es das Richtige gewesen ihn zu schreiben, es fühlt sich trotz seiner pfützenhaftigkeit als Teil eines Ganzen an. Und warum? Weil es mehr war als nur denken. Es war ein Ausbruch aus eben jener Trostlosigkeit in einen schaffenden Prozess. Ich glaube, leider ist an dem gaaaaaanz doll Klischee-beladenem Kalenderspruch: träume nicht den Leben, lebe deinen Traum, doch was dran. Und weil Klischees der natürliche Feind meiner wilden Gedanken sind, gebe ich mich an dieser Stelle geschlagen, lasse ab vom Schreiben, lege mich endlich schlafen.
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